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Erneuerbare Energien und die Stromerzeugung in Deutschland

Jedes Jahr veröffentlicht das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg die aktuellen Daten zu der Stromerzeugung und Stromversorgung in Deutschland. Dieses Institut ist eine der wichtigsten und größten Forschungseinrichtungen in der Bundesrepublik, die sich mit Fragen der Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen beschäftigen.

Am 3. Juli stellte das Institut den Bericht über Stromerzeugung in Deutschland vor, in dem Daten aus dem 1. Halbjahr 2019 zusammengefasst wurden.

 

Abb. 1: Nettostromerzeugung in Deutschland im ersten Halbjahr 2019, in TWh (eigene Darstellung in Anlehnung an Burger 2019, 11)

 

Um mögliche Veränderungen im Strommix in der Bundesrepublik Deutschland sichtbar zu machen, werden zusammen mit den aktuellen Daten aus dem laufenden Jahr Angaben zu der Nettostromerzeugung der vergangenen Jahre präsentiert. Das Hilft dem Leser besser nachvollziehen zu können, was sich bei der Stromerzeugung in Deutschland veränderte. Aus dem direkten Vergleich der Grafiken für die jeweils erste Jahreshälfte 2019 und 2018 lässt sich feststellen, dass die Erneuerbaren Energien immer mehr an Bedeutung für die Stromversorgung in Deutschland gewinnen. Das betrifft sowohl die Menge des erzeugten Stromes als auch ihren Anteil an dem gesamten Strommix in der Bundesrepublik. In der ersten Hälfte 2019 produzierten Wasserkraft, Solar, Wind und Biomasse 125,28 TWh Strom, was einem Anteil von ca. 48% entspricht. Ein Jahr zuvor waren es noch 111,69 TWh mit einem Anteil der Erneuerbaren Energien am gesamten Strommix von ca. 40%.

 

     

Abb. 2: Nettostromerzeugung in Deutschland im ersten Halbjahr 2018, in TWh (eigene Darstellung in Anlehnung an Burger 2018, 11)

 

Besonders bemerkenswert ist, dass Erneuerbare Energien im Juni 2019 zum ersten Mal mit 51,6 % mehr Strom lieferten als fossile Energieträger wie Gas, Öl, Stein- und Braunkohle (Burger 2019,12). 

Die hier vorgestellten Daten beschreiben die Nettostromerzeugung. Manchmal hört man jedoch von der Bruttostromerzeugung. Der Unterschied zwischen der Nettostromerzeugung und der Bruttostromerzeugung ist sehr groß. Warum? Spricht man von der Nettostromerzugung, so versteht man den Strom, der tatsächlich in das öffentliche Netz von Erzeugern eingespeist wird und bei jedem Verbraucher aus der Steckdose „fließt“. Bei der Bruttostromerzeugung wird die gesamte Menge an erzeugter elektrische Energie berücksichtigt, auch die Mengen, die in das öffentliche Netz gar nicht eingespeist werden. So fließen, zum Beispiel, die Stromverluste in den Kraftwerken, die bei der Erzeugung des Stroms durch Maschinen entstehen, in die Berechnung mit ein. Außerdem, verbrauchen einige große Industriebetriebe so viel Energie, dass es für sie einfacher und günstiger ist, den Strom für die eigenen Maschinen und Anlagen selbst zu erzeugen. Dieser Strom wird den Verbrauchern außerhalb der Fabrik gar nicht zur Verfügung gestellt. Auch diese Mengen Strom werden der Bruttostromerzeugung zugeordnet, in der Nettostromerzeugung fehlen sie jedoch.

Je nach der Art der Datenerfassung unterscheiden sich deshalb die Ergebnisse stark. So lag die Bruttostromerzeugung in Deutschland im Jahr 2017 bei 654,8 TWh[1]. Rechnet man die Nettostromerzeugung in Deutschland für dasselbe Jahr aus, so ergibt sich eine andere Zahl: 549,83 TWh[2]. Auch bei den einzelnen Erzeugungsarten können die Unterschiede sehr bemerkbar sein: Der Anteil der Windenergie an der Bruttostromerzeugung 2017 lag bei 16,3% (AG Energiebilanzen) während der Anteil derselben Windenergie an der Nettostromerzeugung im selben Zeitraum mit 19,1% (Fraunhofer ISE) fast 3% höher war. Das wird dadurch verursacht, dass sich die Verluste bei der Erzeugung in unterschiedlichen Kraftwerksarten stark unterscheiden können. Auch der Anteil der Erneuerbaren Energien an dem Strommix als Ganzes unterscheidet sich je nach Berechnungsart: Spricht man von der Bruttostromerzeugung, so lag er, zum Beispiel, in der ersten Hälfte 2019 bei 41% (AG Energiebilanzen). In der Nettostromerzeugung ist er jedoch mit 47% (Fraunhofer ISE) deutlich höher. Dieses Wissen ist sehr wichtig, um Aussagen über die Bedeutung von einzelnen Stromerzeugungsarten für unsere Stromversorgung in der öffentlichen Diskussion einordnen und bewerten zu können.

 

Aufgaben:

  1. Beschreibe die Zusammensetzung des Strommixes in Deutschland.  
  2. Diskutiert in der Klasse, was sind die Gründe für den steigenden Anteil der Erneuerbaren Energien am Strommix in Deutschland. 

 

Quellenangaben:

 

  1. Burger, B. (2018).: Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. Stromerzeugung in Deutschland im ersten Halbjahr 2018, Freiburg: Fraunhofer ISE (abrufbar unter: https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/daten-zu-erneuerbaren-energien/ISE_Stromerzeugung_2018_Halbjahr.pdf abgerufen am 11.09.2019)

 

  1. Burger, B. (2019).: Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. Stromerzeugung in Deutschland im ersten Halbjahr 2019, Freiburg: Fraunhofer ISE (abrufbar unter: https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/daten-zu-erneuerbaren-energien/ISE_Stromerzeugung_2019_Halbjahr.pdf abgerufen am 11.09.2019)

 

 

[1] AG Energiebilanzen, Stand: Februar 2018, abrufbar unter: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/I/Infografiken/bruttostromerzeugung-in-deutschland.pdf?__blob=publicationFile&v=19 (aufgerufen am: 11.09.2019) 

[2]Fraunhofer ISE, Energy Charts, Nettostromerzeugung in Deutschland in 2017, abrufbar unter: https://energy-charts.de/energy_pie_de.htm?year=2017 (aufgerufen am: 11.09.2019) 

 

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